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10. März 2025

Ganzjahrestourismus im Faktencheck: Was spricht dafür, was dagegen?

Nachhaltigkeit

Der Tourismus ist im Wandel, der Trend geht in Richtung Ganzjahrestourismus - eine gleichmäßigere Verteilung der Tourismusaktivitäten über das Jahr. Dies heißt nicht zwangsläufig, dass es an allen 365 Tagen im Jahr durchgehend touristische Angebote geben muss. Vielmehr geht es darum, dass eine Region oder Destination über das ganze Jahr hinweg attraktiv bleibt, indem sie verschiedene saisonale oder wetterunabhängige Angebote bereitstellt.

Der Klimawandel, sich verändernde Reisegewohnheiten und die Notwendigkeit zur wirtschaftlichen Diversifikation treiben den Wandel des Tourismus in Richtung Ganzjahrestourismus voran. Nachstehend sind die Vor- und Nachteile des Ganzjahrestourismus, einige Beispiele sowie Gründe für betriebliche Schließtage aufgeführt.

Vorteile des Ganzjahrestourismus:

  • Wirtschaftliche Stabilität – Gleichmäßige Einkommensverteilung über das ganze Jahr hinweg
  • Arbeitsplätze das ganze Jahr – Keine saisonalen Kündigungen, stabile Beschäftigung        
  • Bessere Nutzung von Ressourcen – Hotels, Restaurants und Freizeiteinrichtungen werden kontinuierlich genutzt
  • Geringere saisonale Preisschwankungen – Stabilere Preise für Unterkünfte und Dienstleistungen
  • Diversifizierung des Angebots – Entwicklung von saisonunabhängigen Aktivitäten und Angeboten
  • Stärkere regionale Entwicklung – Tourismus kann langfristig die Wirtschaft einer Region stärken

Nachteile des Ganzjahrestourismus

  • Umweltbelastung – Höhere Abnutzung von Natur und Infrastruktur
  • Überlastung der Infrastruktur – Ständige Belastung für Straßen, Hotels und öffentliche Verkehrsmittel
  • Verlust von Erholungsphasen – Natur, Städte und Bevölkerung haben keine "tourismusfreie" Zeit zur Regeneration
  • Geringere Exklusivität – Attraktionen sind oft überfüllt, weniger authentische Erlebnisse für Tourist:innen
  • Erhöhter Energieverbrauch – Ganzjährige Beheizung oder Kühlung von Unterkünften erfordert mehr Energie
  • Soziale Belastung für Einwohner:innen – Ständiger Touristenstrom kann Alltag der lokalen Bevölkerung beeinträchtigen

Beispiele für (nicht-urbane) Regionen mit durchgehendem Ganzjahrestourismus in Österreich:

  • Thermen- und Wellnessregionen (z.B. Bad Waltersdorf, Loipersdorf, Bad Radkersburg, Geinberg, Bad Schallerbach, Laa an der Thaya, Aqua Dome in Längenfeld)
  • Große Alpenresorts mit kombiniertem Sommer- und Winterangebot (z.B. Seefeld, Kitzbühel, Zell am See-Kaprun, Schladming, Serfaus-Fiss-Ladis) - kurze Schließzeiten für Wartungen der Seilbahnen und infrastrukturelle Anpassungen.
  • Ganzjährig geöffnete Kulturdestinationen im ländlichen Raum (z.B. Salzkammergut (Hallstatt, Wolfgangsee, Bad Ischl, Wachau)
  • Regionen mit starkem Gesundheits- und Kongresstourismus (z.B. Bad Gastein & Bad Hofgastein, Semmering & Puchberg am Schneeberg)

Gründe für Schließtage im Tourismus

Ökonomische Gründe

  • Nachfrageschwankungen: Zwischensaison -> durchgehender Betrieb wäre wirtschaftlich unrentabel
  • Personalmanagement: gezieltere Personalplanung, insb. in Regionen mit hohem Anteil an Saisonarbeitskräften
  • Instandhaltung & Investitionen: Renovierungen, Wartungsarbeiten oder Umbauten

Ökologische Gründe

  • Ressourcenschonung: Temporäre Betriebsschließungen sparen Energie, Wasser und andere Ressourcen
  • Umweltbelastung reduzieren: Flora und Fauna können sich regenerieren

Soziale Gründe            

  • Erholung für Mitarbeiter:innen
  • Lebensqualität der Einheimischen: „Verschnaufpause“ der lokalen Bevölkerung

Wie kann nachhaltiger Ganzjahrestourismus gelingen?

Damit Ganzjahrestourismus nachhaltig gelingt, müssen wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte in Einklang gebracht werden. Hier sind einige zentrale Maßnahmen:

1. Nachhaltige Tourismusinfrastruktur

  • Umweltfreundliche Verkehrsmittel fördern (z.B. Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, E-Busse, Fahrradleihsysteme)
  • Energieeffiziente Unterkünfte nutzen (z.B. Hotels mit erneuerbaren Energien, zertifizierte Öko-Hotels)
  • Sanften Tourismus unterstützen (kleinere Unterkünfte, naturnahe Erlebnisse, nachhaltige Freizeitangebote)

2. Schonende Nutzung der Umweltressourcen

  • Besucher:innenströme lenken (z.B. digitale Buchungssysteme, Ticketkontingente, alternative Reisezeiten fördern)
  • Naturräume schützen (keine Bebauung von sensiblen Gebieten, Aufklärung der Tourist:innen über Naturschutz)
  • Nachhaltige Outdoor-Aktivitäten anbieten (Wandern, Radfahren statt Massentourismus mit hohem CO₂-Ausstoß)

3. Saisonale Diversifizierung des Angebots

  • Ganzjährige Attraktionen entwickeln, die nicht von Wetter oder Jahreszeit abhängen (z.B. Kultur, Wellness, Kulinarik)
  • Lokale Produkte und Dienstleistungen stärken, um saisonale Abhängigkeiten zu reduzieren
  • Regionale Veranstaltungen gleichmäßig über das Jahr verteilen, um Besucher:innenströme zu entzerren

4. Einbindung der lokalen Bevölkerung

  • Faire Arbeitsbedingungen und Löhne für Einheimische bieten, um den sozialen Frieden zu erhalten
  • Kulturellen Austausch fördern, sodass Tourist:innen nicht nur Konsument:innen, sondern auch Lernende und respektvolle Gäste sind
  • Bürgerbeteiligung bei touristischen Entwicklungen sicherstellen, damit die Bedürfnisse der Einheimischen berücksichtigt werden

5. Bewusstseinsbildung bei Tourist:innen

  • Nachhaltige Reiseoptionen bewerben (z.B. umweltfreundliche Anreise mit Bahn statt Flug)
  • Aufklärung über umweltbewusstes Verhalten (weniger Müll, Wasser sparen, Respekt vor der Natur und Kultur)
  • Zertifizierungen und Labels nutzen, um nachhaltige Anbieter:innen hervorzuheben (z.B. Fair Trade, Bio-Hotels)

Fazit

Ganzjahrestourismus kann erfolgreich und nachhaltig sein, wenn er gut geplant wird. Durch eine Mischung aus ökologischer Verantwortung, sozialer Akzeptanz und wirtschaftlicher Stabilität profitieren sowohl Tourist:innen als auch die lokale Bevölkerung und die Umwelt.

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