©Hannes Winklerartikel
22. Apr. 2026
Nachhaltigkeit
Mobilität
Eine Gondelfahrt, 12 Minuten Zeit und 536 befragte Skigäste: Die aktuelle Erhebung von Protect Our Winters in Saalfelden Leogang zeigt deutlich, was sich im Wintertourismus gerade verschiebt – und wo es noch hakt.
81% der Gäste setzen sich beim Skifahren mit dem Klimawandel auseinander. Das Problembewusstsein ist also längst in der Breite angekommen. Die entscheidendere Frage lautet allerdings: Was folgt daraus?
Trotz hoher Sensibilität bleiben klassische Entscheidungsfaktoren dominant. Schneesicherheit ist für 75,5% zentral, mehr als die Hälfte würde künftig gezielt schneesicherere Destinationen wählen. Das zeigt ein strukturelles Dilemma: Klimawandel wird reflektiert – verstärkt aber gleichzeitig die Nachfrage nach genau jenen Angeboten, die stark von ihm betroffen sind. Für Destinationen bedeutet das: Anpassung allein reicht nicht. Es braucht neue, glaubwürdige Angebotslogiken jenseits der Schneesicherheit.
72% der Befragten nehmen klimabedingte Veränderungen wie weniger Naturschnee oder veränderte Landschaften negativ wahr. Das ist mehr als ein Imageproblem. Es betrifft die Qualität des Erlebnisses – und damit den Kern des touristischen Produkts.
Noch sind die Verschiebungen moderat, aber eindeutig:
Das sind keine radikalen Brüche – aber klare Signale für eine Transformation der Nachfrage.
Spannend für die Praxis: Klimaschutzmaßnahmen stoßen auf breite Offenheit. Windkraft im Skigebiet wird überwiegend neutral bis positiv bewertet. Das widerspricht der oft angenommenen Ablehnung durch Gäste – und eröffnet Spielräume für mutigere Schritte.
Ein klarer Hebel liegt weiterhin in der Mobilität: 72% reisen mit dem Auto an, nur 8,2% mit der Bahn. Nicht eine fehlende Bereitschaft ist das Problem, sondern fehlende praktikable Alternativen. Genau hier entscheidet sich, ob Transformation im Tourismus tatsächlich gelingt.
Die Ergebnisse zeigen eine Branche an einem Kipppunkt:
Für Destinationen heißt das: Nachhaltigkeit wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor – aber nur dort, wo sie konkret erlebbar und glaubwürdig umgesetzt wird. Die zentrale Frage ist daher weniger, ob sich der Wintertourismus verändert, sondern wie schnell und wer ihn aktiv gestaltet.
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Die Gondelbefragung ist eine wissenschaftliche Erhebung, die Teil Projekts “Fokusjahre” der Tourismusdestination Saalfelden-Leogang ist. Sie wurde am letzten Februarwochenende von freiwilligen Mitarbeiter:innen von Protect Our Winters durchgeführt. Konzipiert wurde die Studie im Vorfeld von Protect Our Winters (POW), dem TVB Saalfelden Leogang sowie Univ.-Prof. Robert Steiger von der Universität Innsbruck.