©Ruth Rosendorfartikel
10. Juni 2026
Künstliche Intelligenz
Digitalisierung
Künstliche Intelligenz verändert gerade ziemlich grundlegend, wie Menschen Reisen planen, buchen und erleben. Auf der Zukunftsreise Paris 2025 wurde klar: Es geht nicht mehr nur darum, bei Google gefunden zu werden. Künftig entscheiden auch KI-Assistenten wie ChatGPT, Gemini, Copilot oder Siri mit, welche Regionen, Betriebe und Angebote überhaupt in den Antworten der Gäste auftauchen. Für den Tourismus heißt das: Inhalte müssen verständlich, Daten aktuell und Kooperationen stärker werden.
Solche Fragen landen immer öfter nicht mehr in einer klassischen Suchmaschine, sondern bei digitalen Assistenten. Diese liefern keine lange Linkliste, sondern konkrete Vorschläge. Genau hier verändert KI den Zugang zum Gast. Wer von diesen Systemen nicht erkannt, verstanden oder empfohlen wird, kommt in der Entscheidungsfindung vielleicht gar nicht mehr vor. Bisher ging es im Tourismus stark um SEO, also darum, Inhalte für Google gut auffindbar zu machen. Jetzt kommt GEO dazu: Generative Engine Optimization. Gemeint ist damit, Inhalte so aufzubereiten, dass generative KI-Systeme sie nutzen können. Das betrifft nicht nur schöne Texte auf Websites, sondern vor allem strukturierte, aktuelle und verlässliche Informationen.
Öffnungszeiten, Preise, Verfügbarkeiten, Mobilitätsangebote, Barrierefreiheit, Wetterbezüge, Zielgruppen, Veranstaltungen oder Erlebnisbeschreibungen müssen so vorliegen, dass Maschinen sie sinnvoll verarbeiten können. Klingt technisch, ist aber ziemlich nah am Gast. Denn je besser die Daten, desto besser die Empfehlung.
Viele Gäste planen nicht mehr alles Wochen im Voraus. Sie entscheiden unterwegs, spontan, je nach Wetter, Stimmung, Standort oder Zeitfenster. Genau dafür braucht es Inhalte, die nicht nur inspirieren, sondern im richtigen Moment helfen. KI kann dabei viel mehr sein als ein Chatbot auf der Website. Sie kann bei Übersetzungen unterstützen, Feedback auswerten, Besucherströme prognostizieren, barrierefreie Services verbessern oder personalisierte Tipps geben. Sie kann Kulturvermittlung dialogischer machen, Mobilität besser verknüpfen und Erlebnisse passender ausspielen. Aber all das funktioniert nur, wenn die Basis stimmt.
Im Tourismus liegen Daten oft verteilt: bei Hotels, Destinationen, Verkehrsbetrieben, Museen, Gemeinden, Plattformen, Gastronomie, Technologiepartnern und vielen mehr. Für den Gast ist das egal. Er oder sie will einfach wissen, was passt, was offen ist, wie man hinkommt und ob es gerade Sinn macht. Solange diese Informationen in Silos bleiben, kann KI nur einen Teil ihres Potenzials entfalten.
Deshalb werden Datenräume, sogenannte Data Spaces, wichtiger. Sie ermöglichen es, Daten kontrolliert zu teilen, ohne sie zentral aus der Hand zu geben. Organisationen behalten die Hoheit über ihre Daten und entscheiden selbst, wer welche Informationen wofür nutzen darf. Ein Beispiel ist EONA-X, ein europäischer Datenraum für Transport, Mobilität und Tourismus. Solche Initiativen zeigen, wohin die Reise geht: weg von isolierten Datensammlungen, hin zu gemeinsamen Standards, Schnittstellen und vertrauensvoller Zusammenarbeit. Das ist besonders wichtig, weil KI nur so gut ist wie die Informationen, auf denen sie aufbaut.
Ein digitaler Assistent kann keine sinnvolle Empfehlung geben, wenn Öffnungszeiten veraltet sind, Mobilitätsdaten fehlen oder Angebote nicht klar beschrieben sind. AI-ready, GEO-ready und agent-ready zu werden, heißt also zuerst: Datenqualität ernst nehmen.
Ein weiterer Punkt aus Paris: KI kann Inhalte immer schneller und günstiger erzeugen. Wofür Menschen aber weiterhin reisen, sind echte Erlebnisse vor Ort. Begegnungen, Natur, Kultur, Kulinarik, Atmosphäre, besondere Momente. Der strategische Fokus verschiebt sich damit von reiner Content-Produktion hin zu einzigartigen Experiences und zum direkten Kontakt mit dem Gast. Für Tourismusorganisationen und Betriebe bedeutet das nicht, riesige KI-Projekte aufzusetzen. Eher das Gegenteil. Die sinnvollere Herangehensweise ist es, klein zu starten, konkrete Anwendungsfälle zu testen, zu lernen, anzupassen und zu skalieren. Also nicht drei Jahre an einem perfekten System bauen, sondern mit überschaubaren Pilotprojekten herausfinden, was wirklich Nutzen bringt.
Der wichtigste Take-away der Zukunftsreise Paris 2025, organisiert von Außenwirtschaft Austria in Kooperation mit der Österreich Werbung, lässt sich ziemlich klar zusammenfassen: KI ist kein einzelnes Tool, das man irgendwo dazuschaltet. Sie verändert Strukturen. Sie verändert Sichtbarkeit. Sie verändert Kommunikation. Und sie macht Zusammenarbeit noch wichtiger.
Destinationen, Betriebe, öffentliche Stellen, Start-ups und Technologiepartner müssen noch stärker gemeinsam denken. Bei Daten. Bei Standards. Bei Services. Und bei der Frage, wie Tourismus auch in einer KI-geprägten Welt nachhaltig, fair und gastfreundlich bleibt.
Denn am Ende geht es nicht darum, Technologie um der Technologie willen einzusetzen. Es geht darum, Gästen bessere Orientierung zu geben, Ressourcen klüger zu nutzen, Erlebnisse relevanter zu machen und direkte Beziehungen zu stärken.