©Jessica Müller, Alpenregion Bludenz Tourismusartikel
11. Juni 2026
Künstliche Intelligenz
Digitalisierung
Wie die Destination Alpenregion Bludenz Tourismus ihre Mitarbeitenden fit für Künstliche Intelligenz (KI) macht.
KI verändert unsere Arbeitsweisen. Es gibt Unternehmen, die warten, bis KI ausgereift ist. Und es gibt eben jene, die einfach anfangen. Die Alpenregion Bludenz Tourismus gehört zur zweiten Gruppe. Nicht weil dort besonders viele Technikbegeisterte arbeiten, sondern weil man hier früh der Meinung war: Abwarten und Tee trinken ist keine Option.
Seitdem ChatGPT die breite Öffentlichkeit erreicht hat, beschäftigen sich Mitglieder des Teams mit dem Einsatz von KI. Zuerst verwendete man KI vorsichtig bei der Erstellung und Optimierung von Texten. Später beschäftigte man sich auch mit der Frage, wie man Mitarbeitende mitnimmt, ohne sie zu überfordern. Die Antwort, die man in Bludenz gefunden hat, klingt fast unspektakulär: kleine Schritte, regelmäßiger Austausch, tatsächliches Ausprobieren.
Zu Beginn wurden alle Teammitglieder geschult. Wie loggt man sich in ein KI-System ein, wie erstellt man einen Prompt, etc.? Auf die Basisschulung folgte eine Schulung für Fortgeschrittene.
Monatlich, beim regulären Teammeeting, wird ein KI-Thema vorgetragen. Kein langer Vortrag, sondern ein kurzes 5-Minuten-Update: Was gibt es Neues? Welches Tool ist bei welchem Zweck hilfreich? Diese Regelmäßigkeit ist kein Zufall. Kompetenz entsteht durch laufende Beschäftigung, durch das am Ball bleiben.
Alle zwei Wochen gibt es eine KI-Challenge. Die Aufgaben mögen für manche einfacher, für manche schwieriger sein. Oft mit etwas Humor, wie zum Beispiel: "Erstelle mit KI ein Foto, das deine Kolleg:innen zum Lachen bringt. Zeitlimit: 15 Minuten. Nicht mehr."
Genau das ist der Punkt. Es geht nicht darum, perfekte Ergebnisse zu produzieren. Es geht darum, die Schwelle zu senken. Wer einmal selbst ein Bild generiert oder einen Text umformuliert hat, verliert die Hürde und fängt eher an, KI auch im echten Arbeitsalltag einzusetzen.
Alle, die "tiefer eintauchen möchten" (um beim ChatGPT-Jargon zu bleiben), sei dies natürlich erlaubt. Die Teilnahme an angebotenen KI-Webinaren steht allen offen – ganz ohne Zwang wird eine Möglichkeit für alle Interessierten geboten.
Neben dem Ausprobieren braucht es auch Orientierung. Die Alpenregion Bludenz Tourismus hat deshalb eine KI-Leitlinie erarbeitet, die laufend erweitert werden kann. Kein langes Regelwerk, das ungelesen in den Schubladen liegt, sondern eine kurze und präzise Antwort auf Fragen, die im Arbeitsalltag mit KI auftauchen: Was darf ich mit KI verarbeiten? Was nicht? Wo liegen die datenschutzrechtlichen Grenzen?
Im Laufe der Zeit ist eine KI-Task Force, bestehend aus einigen interessierten Teammitgliedern entstanden. Monatlich trifft man sich und spricht über bahnbrechende Neuigkeiten und wie man dies dem Team vermitteln kann.
KI soll sich anfühlen wie ein Teammitglied. Eines, das nie schläft, weder genervt noch beleidigt ist, bei Texten, Übersetzungen, Recherchen oder Präsentationen verlässlich hilft. KI soll dabei keine Wunder vollbringen, aber eine echte Arbeitserleichterung sein. Was dabei nicht zur Diskussion steht: die Verantwortung. Inhalte werden kritisch geprüft, Entscheidungen treffen weiterhin Menschen. KI liefert Vorschläge, das letzte Wort haben die Mitarbeitenden.
Die Alpenregion Bludenz Tourismus macht nichts Weltbewegendes. Kein langes KI-Strategiepapier, wenig Pflichtprogramm (abgesehen von einer Basisschulung für Anfänger:innen). Stattdessen: ein Team, das gemeinsam lernt – das Neues teilt, ausprobiert, scheitert und es dann nochmal probiert.
Vielleicht ist genau das der Punkt. Nicht die Technologie entscheidet, ob eine Organisation zukunftsfähig ist. Sondern die Menschen, die bereit sind, mit ihr mitzugehen.